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TrueNAS iSCSI Storage für Proxmox: Shared Storage einrichten

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TrueNAS iSCSI Storage für Proxmox: Shared Storage einrichten

Wer einen Proxmox VE-Cluster mit mehreren Nodes betreibt, braucht Shared Storage. Ohne gemeinsamen Speicher ist weder Live-Migration noch echte Hochverfuegbarkeit moeglich. iSCSI auf Basis von TrueNAS ist die kosteneffizienteste Loesung fuer KMU: Block-Level-Zugriff ueber das vorhandene Ethernet-Netzwerk, ohne teure Fibre-Channel-Infrastruktur.

Dieser Artikel zeigt Schritt fuer Schritt, wie Sie TrueNAS als iSCSI-Backend fuer Proxmox VE einrichten — von der Zvol-Erstellung bis zur funktionierenden LVM-on-iSCSI-Anbindung.

Warum iSCSI fuer Proxmox?

Proxmox VE unterstuetzt mehrere Storage-Backends. Fuer Cluster-Umgebungen mit HA-Anforderungen ist iSCSI aus mehreren Gruenden die bevorzugte Wahl:

  • Block-Level-Zugriff: VMs schreiben direkt auf Block-Devices — keine Dateisystem-Abstraktion dazwischen. Das reduziert Latenz und Overhead.
  • Shared Storage: Alle Proxmox-Nodes greifen auf dasselbe LUN zu. Das ist die Voraussetzung fuer Live-Migration und automatisches HA-Failover.
  • Konsistentes Verhalten: iSCSI verhindert Split-Brain-Szenarien bei gleichzeitigem Zugriff, da nur ein Initiator gleichzeitig auf ein LUN schreibt (bei LVM-on-iSCSI uebernimmt LVM die Koordination).

NFS vs iSCSI: Wann welches Protokoll?

KriteriumNFSiSCSI
ZugriffsartDatei-basiertBlock-basiert
Typischer EinsatzBackups, ISOs, TemplatesVM-Disks, Datenbanken
PerformanceGut (abhaengig von Tuning)Sehr gut (niedriger Overhead)
Shared AccessNativ (mehrere Clients)Ueber LVM-Koordination
SnapshotsZFS-Snapshots auf TrueNASZFS-Snapshots auf Zvol
KomplexitaetNiedrigMittel

Faustregel: NFS fuer Backup-Storage, ISO-Images und Templates. iSCSI fuer produktive VM-Disks, bei denen Performance und Konsistenz zaehlen.

TrueNAS-Seite: iSCSI konfigurieren

Die Einrichtung auf TrueNAS erfolgt in sechs Schritten. Alle Schritte sind ueber die Web-GUI unter Sharing > iSCSI erreichbar.

1. Zvol erstellen

Ein Zvol ist ein Block-Device innerhalb eines ZFS-Pools. Es dient als Speichergrundlage fuer das iSCSI-Target.

Storage > Pools > [Ihr Pool] > Add Zvol
  Name:       proxmox-iscsi-01
  Size:       500 GiB
  Block Size: 64K (empfohlen fuer VM-Workloads)

Waehlen Sie die Blockgroesse passend zum Workload: 64K ist ein guter Standard fuer gemischte VM-Workloads. Fuer Datenbanken mit vielen kleinen Schreibzugriffen kann 16K sinnvoller sein.

2. Portal anlegen

Das Portal definiert, auf welcher IP-Adresse und welchem Port TrueNAS iSCSI-Anfragen annimmt.

Sharing > iSCSI > Portals > Add
  Description:  proxmox-portal
  IP Address:   10.0.10.1 (Storage-Netzwerk)
  Port:         3260 (Standard)

Verwenden Sie eine dedizierte IP im Storage-Netzwerk — nicht die Management-IP. Das trennt Storage-Traffic vom normalen Netzwerkverkehr.

3. Initiator Group erstellen

Die Initiator Group steuert, welche Proxmox-Nodes Zugriff erhalten.

Sharing > iSCSI > Initiators > Add
  Description:        proxmox-cluster
  Allowed Initiators: iqn.2007-06.com.proxmox:pve01
                      iqn.2007-06.com.proxmox:pve02
                      iqn.2007-06.com.proxmox:pve03

4. Target anlegen

Sharing > iSCSI > Targets > Add
  Target Name:    proxmox-storage
  Portal Group:   proxmox-portal
  Initiator Group: proxmox-cluster

5. Extent erstellen

Der Extent verknuepft das Zvol mit dem iSCSI-Dienst.

Sharing > iSCSI > Extents > Add
  Name:         proxmox-extent-01
  Extent Type:  Device
  Device:       zvol/tank/proxmox-iscsi-01
  LB Size:      4096 (Logical Block Size)

6. Associated Target

Verknuepfen Sie Target und Extent mit einer LUN-Nummer:

Sharing > iSCSI > Associated Targets > Add
  Target:  proxmox-storage
  LUN ID:  0
  Extent:  proxmox-extent-01

Aktivieren Sie abschliessend den iSCSI-Dienst unter Services > iSCSI und setzen Sie ihn auf Auto-Start.

Proxmox-Seite: iSCSI-Storage anbinden

iSCSI-Target hinzufuegen

Auf jedem Proxmox-Node unter Datacenter > Storage > Add > iSCSI:

ID:       truenas-iscsi
Portal:   10.0.10.1
Target:   iqn.2005-10.org.freenas.ctl:proxmox-storage

Proxmox erkennt das Target automatisch und zeigt die verfuegbaren LUNs an.

LVM on iSCSI einrichten

Fuer die flexible Verwaltung von VM-Disks empfiehlt sich eine LVM-Schicht auf dem iSCSI-LUN:

Datacenter > Storage > Add > LVM
  ID:            truenas-lvm
  Base Storage:  truenas-iscsi
  Base Volume:   LUN 0
  Volume Group:  vg-truenas

LVM on iSCSI erlaubt Thin Provisioning, Snapshots auf LVM-Ebene und eine granulare Zuweisung von Speicher an einzelne VMs.

Multipath: Ausfallsicherheit fuer Produktionsumgebungen

In Produktionsumgebungen sollte der iSCSI-Pfad redundant ausgelegt sein. Multipath I/O (MPIO) nutzt zwei oder mehr Netzwerkpfade zum selben Target — faellt ein Pfad aus, uebernimmt der andere ohne Unterbrechung.

Voraussetzungen:

  • TrueNAS mit zwei Netzwerk-Interfaces im Storage-Netzwerk (z. B. 10.0.10.1 und 10.0.11.1)
  • Zwei separate Portale in TrueNAS
  • multipath-tools auf den Proxmox-Nodes installiert
apt install multipath-tools
systemctl enable multipathd

In /etc/multipath.conf wird die Failover-Policy definiert:

defaults {
    polling_interval    2
    path_grouping_policy  failover
    no_path_retry       5
}

Multipath sorgt zusaetzlich fuer Load-Balancing: Bei zwei aktiven Pfaden kann der Storage-Durchsatz nahezu verdoppelt werden.

Performance-Tuning

Block Size und Sync Settings

ParameterEmpfehlungAuswirkung
Zvol Block Size64K (allgemein), 16K (Datenbanken)Bestimmt die minimale Schreibeinheit
SyncStandard (= sync writes)Datensicherheit vor Performance
CompressionLZ4 (aktiviert lassen)Spart Speicher bei minimalem CPU-Overhead
ARC CacheMoeglichst viel RAMBeschleunigt Lesezugriffe erheblich

Netzwerk-Optimierung

  • Jumbo Frames (MTU 9000) auf allen Storage-Interfaces und Switches aktivieren
  • Dediziertes Storage-VLAN fuer iSCSI-Traffic
  • 10 GbE oder schneller — 1 GbE ist fuer iSCSI-VM-Storage nicht ausreichend

Monitoring mit DATAZONE Control

Ein iSCSI-Backend ist ein kritischer Infrastrukturbaustein — ohne Monitoring riskieren Sie unbemerkte Engpaesse oder Ausfaelle. Mit DATAZONE Control ueberwachen wir sowohl die TrueNAS- als auch die Proxmox-Seite:

  • Storage-Auslastung: Zvol-Belegung, Pool-Kapazitaet, Snapshot-Verbrauch
  • Netzwerk-Performance: Durchsatz und Latenz auf den iSCSI-Interfaces
  • Dienst-Verfuegbarkeit: iSCSI-Service-Status auf TrueNAS, Multipath-Pfadzustand auf Proxmox
  • ZFS-Gesundheit: Scrub-Status, Checksum-Fehler, Disk-SMART-Werte

Schwellenwerte loesen automatisch Alarme aus — bevor aus einem vollen Zvol ein VM-Ausfall wird.

Haeufige Fehler und wie Sie sie vermeiden

  • Kein dediziertes Storage-Netzwerk: iSCSI-Traffic auf dem Management-Netzwerk fuehrt unter Last zu Timeouts und Verbindungsabbruechen.
  • Zvol zu klein dimensioniert: Ein volles Zvol stoppt die VM sofort. Planen Sie mindestens 20 % Reserve ein und ueberwachen Sie die Belegung aktiv.
  • Initiator-IQN nicht korrekt: Proxmox kommt nicht ans Target, wenn der IQN im Initiator nicht exakt mit der Konfiguration auf TrueNAS uebereinstimmt. Pruefen Sie /etc/iscsi/initiatorname.iscsi auf jedem Node.
  • Kein Multipath in Produktion: Ein einzelner Netzwerkpfad ist ein Single Point of Failure. In Produktionsumgebungen ist Multipath keine Option, sondern Pflicht.

Fazit

TrueNAS und Proxmox VE bilden eine leistungsfaehige Kombination fuer KMU, die Shared Storage ohne die Kosten proprietaerer SAN-Loesungen benoetigen. iSCSI liefert die Performance und Konsistenz, die fuer produktive VM-Workloads erforderlich ist — und mit ZFS im Hintergrund profitieren Sie gleichzeitig von Pruefsummen, Snapshots und Komprimierung.

Der Schluessel liegt in der sauberen Konfiguration: dediziertes Storage-Netzwerk, korrekte Zvol-Dimensionierung, Multipath fuer Redundanz und kontinuierliches Monitoring.


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